FRISCH INS DRITTE JAHR. NOCH IMMER GILT. NACHDENKLICH UM DIE ECKE.

Toyota fährt dem Strom hinterher – noch!

Toyota fährt dem Strom hinterher – noch!

Lässt noch auf sich warten: Im Jahr 2022 soll der erste vollektrische Toyota-Pkw auf den Markt kommen – der SUV bZ4X. (Foto Toyota)
Weitsicht oder Fehlentscheidung: Weil Toyota auf die Hybrid-Technik setzte, müssen Kunden auf das E-Auto der Marke warten
Wasserstoff, Hybrid, Stadt der Zukunft – Toyota hat sich mit alternativen Antrieben und Ideen einen Namen gemacht. Und gilt, wie viele Umfragen belegen, als besonders geschätzter „grüner“ Autohersteller. Doch derzeit schwächeln die sonst so fortschrittlichen Japaner: Sie haben, nimmt man den gerade erst vorgestellten Kleinbus Proace Verso E aus,  keinen reinen, von der Politik geforderten und geförderten Elektro-Pkw im Angebot. Der Blick auf die Verkäufe im Monat März des Jahres 2021 zeigt, dass dort – gemeint sind E-Auto-Zulassungen – so ziemlich alles, was Rang und Namen hat, vertreten ist. Nur eine große Marke sucht man dort vergeblich: Toyota. Ja, der Luxusableger Lexus findet sich in der Liste, allerdings mit gerade einmal neun (in Zahlen: 9) verkauften Modellen vom Typ UX 300e.
Selbst der Blick auf die Plug-in-Modelle lässt einen kaum glauben, was da läuft oder, besser gesagt, nicht läuft: 32 verkaufte RAV4-PHEV und 19 Prius-PHEV. Zum Vergleich, damit das richtig eingeordnet werden kann: Volvo, auch nicht gerade eine marktbeherrschende Marke, hat knapp 2000 derartiger Fahrzeuge und somit das fast 40fache an den Mann oder die Frau gebracht. Betrachtet man die Quartalszahlen, scheint die Bilanz noch desaströser. Kunden dieser japanischen Top-Marke  können also, mangels marktgängiger Fahrzeuge, kaum oder gar keine staatlichen Zuschüsse abgreifen. Was ist denn bloß mit Toyota los?
Und weil dem so ist, steuert der japanische Autoriese in Deutschland verbal dagegen. „Elektrisch für alle“ verkündet etwas großspurig die Werbung. Doch das ist eher Schwachstrom, weil eben nicht rein elektrisch sondern nur hybridisch. Und die Werbung setzt noch einen drauf: „Toyota Hybrid Prämie bis zu 6300 Euro“ – wobei das Unternehmen selbst in die Kasse greift und subventioniert. Wiederum nur die halbe Wahrheit, denn das Kleingedruckte besagt: „Gilt nur bei Abschluss eines Leasingvertrages für Privatkunden bei der Toyota Kreditbank GmbH und nur bei Antrag und Genehmigung bis 30. 6. 2021“ – und zwar für den RAV4. Und dann wird das Ganze, im Kleingedruckten wohlgemerkt, doch noch etwas konkreter: „Bei der Hybridprämie handelt es sich nicht um die staatlichen Förderung….(Umweltprämie)“. Ein klares Eingeständnis also: Autos, die am Markt gerade reißenden, weil geförderten Absatz finden, sind nicht für Geld und gute Worte zu haben.
Was nicht heißen soll, dass Toyota keine sparsamen, umweltschonenderen Fahrzeuge im Programm hat. Der kleine Yaris Hybrid beispielsweise ist ein Ausbund an Genügsamkeit – den Verbrauch betreffend. Aber einen reinen E-Personenwagen, den man ans Netz hängen kann? Fehlanzeige. Warum ist das so? Batterie-Autos hatte der Konzern aus der Präfektur Aichi einfach nicht auf dem Schirm, verließ sich auf die zunächst hochgelobten Hybride. Doch dann ging alles ganz schnell, die E-Mobiliät nahm Fahrt auf und selbst der eher als behäbig empfundene deutsche Autobauer Volkswagen startete, düpiert von Tesla, eine rasante Aufholjagd die ihn wohl bald an die Spitze der Bewegung führen wird. Toyota aber fährt hinterher – und das wohl mindestens noch bis 2022. Denn erst dann wird voraussichtlich ein reines E-Auto anrollen – der mit etwas kryptischer Nomenklatur versehene, kantig gestylte bZ4X. Ein, logisch, SUV in etwa im RAV4-Format. (wip/Abbildung Toyota)
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7. Mai 2021
Luftige Gedanken im Mai-Stau
Ach, welche Luftigkeit entwickelt der Kopf im maiigen Stau zwischen Frankfurt und Wiesbaden: Ob es nicht doch allmählich genügt mit der Jagd der Rechtsanwälte auf entschädigungswütige Dieselfahrer? Wir wollen dieses Gehetze auch nicht mehr als Annonce lesen. Oder gerät das autonome Auto nicht doch vom Wunsch- zum Trugbild? Denn tatsächlich hängt kein Fahrzeug stärker am Gängelband, als dieses angeblich autonome Mobil. Und die schwächste Form des elektrischen Fahrens ist das im März stark aufkommende Hybrid-Auto, mit dem kleinere Strommengen aus der nicht genutzten Fahrdynamik des Autos gespeichert und später verwendet werden. Aber da wird der Hybridfahrer besser zu einem zu Fuß Gehenden, denn das perpetuum mobile ist …

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Lesen ist Leben

17. März 2021

Harry Niemann: „Paul Daimler. König des Kompressors“

Keiner kennt sich bei den historischen Daimlers und mit deren Meriten bei der Motoren- und Fahrzeug-Entwicklung besser aus: Harry Niemann, ehemaliger Leiter der Archive und Sammlung der Daimler AG schöpfte jetzt aus diesem Wissen tief für ein neues Buch. Es geht natürlich um hochkarätig Historisches, und um ein Mitglied des Daimler-Clans. „Paul Daimler. König des Kompressors“, erschienen im Motorbuch Verlag, konzipiert, geschrieben und gestaltet, wie Niemanns frühere Werke (also unglaublich sorgfältig, unterfüttert mit der Erfahrung des Historikers und lockend mit faktenreicher Lesbarkeit), wie zum Beispiel „Wilhelm Maybach. König der Konstrukteure“). Auf 272 Seiten mit etlichen Abbildungen und historischen oder neueren Fotografien erreichen die Jahre um den weithin unbekannten Paul Daimler und um seine bis in die Gegenwart reichenden Konstruktionen eine wunderbare Lebendigkeit. Paul Daimler, der älteste Sohn von Gottlieb Daimler, dessen Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) als Urzelle der heutigen Daimler AG gelten darf, war kein einfacher Charakter, aber ein genialer Maschinenversteher. Er erweckte zum Beispiel den Kompressormotor im Auto, war technischer Vorstand der DMG und entwickelte für Horch den ersten deutschen Achtzylinder. Harry Niemann fand Unterstützung für diese Biografie über einen fast vergessenen Konstrukteur bei dem Kompressorenthusiasten und Sammler Klaus Schildbach, der sich wiederum auf seine Frau Christel verlassen konnte. Mitgerissen von der Begeisterung für Leben und Werk von Paul Daimler waren seine Enkelin Beate Nagorsni und deren Mann Wolfgang. Den Einband gestaltete Harry Niemann IV, das Buch kostet 49,90 Euro. (wp.)