5. April 2021
Die Doppelmoral der Autofahrer
Autos mit Winter-Saison-Kennzeichen werden wieder eingemottet, Cabrios werden gelüftet, Biker rollen mit ihren Maschinen wieder raus – der Frühling setzt die Mobilität in Gang. Und diese Frühlingsgefühle verleiten dann schon mal dazu, wieder etwas mehr aufs Gaspedal zu treten oder den Drehgriff weiter aufzuschrauben. Doch auch andere packen ihre Gerätschaften wieder vermehrt aus: Polizeibehörden sind nun häufiger mit Tempomessgeräten unterwegs. Angst vor einer Kontrolle muss man allerdings dann nicht haben, wenn man sich (einigermaßen wenigstens) an die geltenden Regeln und Vorschriften hält.
Um andere und im Umkehrschluss auch sich vor einem der ach so gemeinen „Blitzer“ zu schützen, gilt es als besonders kollegial, per Lichthupe vor einer drohenden Kontrolle zu warnen. Dies ist dann rein rechtlich gesehen eine missbräuchliche Benutzung der Warneinrichtung und keine Form von Nächstenliebe. Autofahrer hilft Autofahrer? Ist das wirklich so? Die Doppelmoral dieses Tuns entlarvt sich aber womöglich in fataler Weise, wenn man selbst Opfer eines Rasers oder, schlimmstenfalls, das eigene Kind oder die Oma totgefahren wird. Dann verschwendet man keinen positiven Gedanken mehr ans Blitzer-Warnen, dann dreht sich die Meinung ins Gegenteil. Und darüber soll man durchaus mal nachdenken (wip.)
25. März 2021
Von der Freude am Marder, der Schnuckeligkeit des Fiat 500e und der Liebe zu diesem Land
Unser alter Alfa Romeo läuft seit Jahren ohne jegliches Mucken. Rostfrei, nach fast 25 Jahren schonenden Betriebs mit Garagenbehütung, km-Stand bei knapp 60 000, keine Geräusche vom Getriebe, von Achsen oder Lagern, der 2-Litermotor ist ein frecher Hund, er dreht noch immer ohne Kümmernis hoch, und mit seinen Kanten und Sicken ist der Tipo 146 der Gegenentwurf zum aktuellen Pompösdesign. Allerdings erlebten wir jüngst den ersten Stotterbetrieb: Unerwartet signalisiert die Störungsleuchte den Defekt, der Motor schnurrt nicht mehr, dann alles auf roter Kontrolle, der Alfa röchelt auf dem Heimweg. Erbarmen. Mit ganz wenig Gas nehmen wir die letzte Steigung, erreichen fast ohne Schwung den Hof, gewinnen die Garage. Dann Motor aus. Springt später doch wieder an, der Gute. Im Leerlauf runter den Berg, hin zu unserem Reparateur mit den Zauberhänden. Der Alfa bleibt dort über Nacht, wir trotten heim und salben die Seele mit einem Gläschen Primitivo. Viel günstiger als Barolo. Da war ein Marder dran, ruft es am Morgen heiser aus der Werkstatt, es ist wahrscheinlich der Erd- oder Stinkmarder, vielleicht auch der Steinmarder, jedenfalls einer aus der Familie der Mustelidae, präzisiert im öligen Overall der Mann, der ein Studierter ist. Vier Kabel waren angefressen, sie sind ausgetauscht. Der Alfa aus Italien hat wohl den deutschen Klein-Raubtieren gemundet. Ob sie wieder kommen? Nicht in die Garage. Dort könnte bald ein Fiat 500e Cabrio den Saft zum Fahren aus der Wallbox nuckeln. Im Zuge der Elektrifizierung streckt sich der formal vorzüglich gestreichelte Cinquecento jetzt auf 3,63 Meter, wirkt bullig wie ein früher Abarth und ist jener Gegenentwurf, den die massigen und hemmungslos übermotorisierten E-Muskelmänner von Audi, Porsche, BMW und Mercedes und auch von Volkswagen (das Heck des ID.4 !) offenbar nicht hinkriegen. Der Fiat mit E-Antrieb und Schiebe-Faltdach ist kein Billigheimer, wiegt (wg Batterie) fast anderthalb Tonnen, der Kofferraum ist kein Raum und über die Reichweite reden wir nicht. Dann erregt sich unsereins auch nicht mehr über die diskutierte Euro 7 und die Rufe von Umweltverbänden nach dem pauschalen Sterben der Verbrenner: Wir freuen uns, in einem Land zu leben, das sich E-Mobilität (das 9000-Euro Stromgeschenk ist nichts weniger als eine Ohrfeige für jeden Diesel-Vielfahrer!) leisten kann, in dem umweltbewegte Menschen das Ende seiner Schlüsselindustrie fordern dürfen, und das wegen seiner Freiheiten (jeder darf mitquatschen, sagte Väterchen immer) im Umgang mit Corona an der Aufgabe des Impfens zu scheitern droht. Was die Autokäufer in weiten Teilen von Afrika, Südamerika und Asien (Ausnahmen China und Japan) vom Ende des Verbrennungsmotors halten, können wir uns vorstellen. Der Fiat 500e ist so schnuckelig. (wp.)
3. März 2021
Auto des Jahres 2021 als Nations Cup : Toyota Yaris gewinnt wichtigste Auszeichnung
Toyota Yaris heißt das Auto des Jahres 2021. Ein klarer Sieger, wie die Tabelle der ausgezählten Stimmen der Car-Of-The-Year-Organisation (COTY) zeigt. Stimmen – das ist hier das Stichwort. Und da sei es schon mal erlaubt, einen erweiterten Blick darauf zu werfen. Und zwar auf die Votings der größeren Auto-Länder. Also Deutschland, Frankreich, Italien, United Kingdom (GB) und Spanien. Ist es nun überraschend, dass der Blick mit der Lupe dabei durchaus Erstaunliches zutage fördert oder war das zu erwarten? Beispielsweise, dass die deutschen Juroren ein recht faires Abstimmverhalten an den Tag gelegt und so ein ziemlich ausgewogenes Gesamtergebnis hinbekommen haben. Das ist keineswegs ein Muss, denn Individuen unter den Fachkollegen entscheiden frei und sollen durchaus unterschiedliche Meinungen haben. Aber das deutsche Voting zeigt eine gewisse Linie auf. So erreichen hier der Fiat 500 und der VW ID.3 die meisten Stimmen. Fazit: Ein Patt. Es  gibt keinen klaren, allein durch die nationale Brille bestimmten Sieger. Ganz anders sieht das in Großbritannien aus. Denn dort rangiert, wie könnte es anders sein, das mit zur Wahl stehende LandRover-Produkt sehr, sehr weit vorne. Britannia rules the Waves! Und in Italien? Wenn auch äußerst knapp und nicht so nationalistisch: Der Fiat 500 macht’s, das Auto aus dem eigenen Land. Spanien? Cupra Formentor heißt der haushoch überlegene Sieger. Viva Espana! Und Frankreich? Ha, ein Japaner ist der Sieger, das landeseigene Modell Citroën C4 rangiert deutlich dahinter. Obwohl: Wo wird denn der Yaris eigentlich gebaut? Siehe da, die Tricolore weht vor dem Werk. Es steht in Valenciennes, Frankreich. (wip.)22. Februar 2021
Den E-Autofahrern scheint die Sonne
Der Winter ist ein Graus. Zumindest für jene, die ein batterieelektrisch betriebenes Auto besitzen. Denn  schon Außentemperaturen um die Null Grad Celsius machen dem elektrifizierten Teil zu schaffen. Das gilt nicht nur für die „Normalos“ unter den E-Personenkraftwagen, sondern auch für die hochgezüchteten Teile, egal ob sie nun von Tesla oder einem anderen Premium-Hersteller kommen. Denn es gilt für alle: Sehr kalte Temperaturen lassen Akkus erlahmen. Übrigens nicht nur bei E-Autos, das gilt (schon länger, und deshalb ist das Ganze auch weder neu noch überraschend) für Smartphones,  akkubetriebene Kameras und anderes mehr. Die, beschreiben wir es mal einfach und technisch nicht ganz korrekt, Kälte-Leistungsverluste beziffern sich dann auf 20, 30 oder gar 40 Prozent. Was im Umkehrschluss bedeutet: Ein E-Auto, das unter Normalumständen 350 km weit kommen sollte, schafft dann vielleicht nur rund 200 km, im schlimmsten Fall weniger.

Doch nicht nur das. Ist der Akku erkaltet, nimmt er auch beim Laden weniger Energie auf. Das Nachtanken kann somit länger dauern. Daran ändern offenbar auch so genannte Batterieheizungen wenig, diesbezügliche Klagen gibt es von Besitzern unterschiedlicher Marken und Typen. Im hohen Norden hängen die E-Fahrer ihre Mobile oft ständig ans Netz, in unseren Breiten ist das mangels ausreichender Stationen nicht immer möglich.

Was soll uns das nun alles sagen? Ganz einfach: Elektromobilität funktioniert, aber möglicherweise zu bestimmten Zeiten nur eingeschränkt. Wer damit rechnet und sich darauf einstellen kann und das auch noch toleriert, der kommt gut zurecht. Wer aber meint, er kann seinen Akku immer nach WLTP-Werksangabe voll nutzen, der hat ein Problem. Was aber mittlerweile gelöst ist. Nicht technisch, vielmehr dadurch, dass es wieder wärmer geworden ist. Die Sonne ist derzeit der E-Besitzer bester Freund. (wip.)

18. Februar 2021
Keine Loipe im Garten, mit Corona-Maske im Auto und elektrisches Fahren von Ford aus Köln mit Volkswagen-Technik
Und wenn der ganze Schnee verbrennt: Getaut ist heute die weiße Pracht hier zwischen Spessart und Odenwald. Wir hatten schon eine ansehnliche Loipe in den Garten gelegt. Mit einer schönen Schleife. Aber den Schießstand fürs Biathlon hatte die  Frau des Hauses verhindert. War eh keine Knarre im Haus. Aber egal, Schnee weg und Loipe sowieso. Vielleicht neue Probe für den Langlauf im März. Gewachst sind die schnellen Latten schon mal.

Das wurde jetzt aber auch Zeit: Mehrere Bundesländer (Berlin, Sachsen und demnächst das Saarland) holen die Corona-Maskenpflicht ins private Auto. Zunächst nur dann, wenn unterschiedliche Haushalte drin sitzen. Zum Schutz vor ordinären Viren und deren gefährlichen Mutanten. Verhüllen darf sich allerdings niemand am Steuer, da greift ein Verbot, das für alle Lenkpersonen gilt, und Maske plus Perücke und Sonnenbrille sind auch tabu. Wer im Tempolimit fotografiert wird, der soll auch zu erkennen sein. Wenn es denn der Gerechtigkeit dient und das Auto als Ort des individuellen Rückzugs vor der Corona-Kollision noch erhält.

Auweia, das schmerzt: Corona-bedingte Einschränkungen beim Verkaufen und Zulassen hat im Jahr 2020 alle Autohersteller zurückgeworfen, aber besonders Ford. Minus 30,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019 weist die Statistik aus, kaum einer war härter getroffen, aber immerhin gingen noch gut 194 000 Ford über die Theke, das reichte für Platz 5 vor Skoda, Opel und Renault. Denn der noch neue Ford Focus fand rund 53 000 frische Besitzer und liegt in der 2019er Modellstatistik auf Rang 4, ein Sieg der Vernunft, die früher bei Ford mal ein Werbe-Slogan für großbürgerlichen Erfolg war. Das könnte sich künftig noch verstärken: Denn die in Amerika wieder erstarkte Marke pampert ihren deutschen Stammsitz mit einer Milliarden-Dollar-Investition für die Produktion des ersten Voll-Elektro-Vehikels für den privaten Einsatz. In Köln wird der wirklich lecker designte Fiesta gebaut, von dem immerhin im Katastrophenjahr etwa 34 000 Exemplare in Deutschland neu verkauft wurden. Aber der Kleinwagen wirft nur relativ kleine Erträge ab. Da liegt es nahe, den für Europa gedachten E-Ford dort zu positionieren, wo die Verkaufsmusik spielt: Bei den kompakten SUVs, und zudem greift die E-Kooperation mit Volkswagen. Von dort kommt die Basis für den Elektro-Ford. ID.3 und ID.4 sind damit schon unterwegs. Was es nicht alles gibt, aber von Ford wohl erst 2022/23. Immerhin eine gute Botschaft für das traditionsreiche Kölner Werk.

Für „Wolfis Garage“ haben wir den Subaru 1800 4WD in seiner Stufenheck-Version abgestaubt. Er hätte uns in den reichlichen Schnee der Mittelgebirge führen sollen. Mit seinem Boxermotor und dem zuschaltbaren Hinterachsantrieb, summierte sich alles zum sehr hilfreichen Allradmoment. Aber Tauwetter ist dazwischengekommen. Freilich konnte uns bei Sonnenschein und Frühlingstemperaturen die Frau des Försters noch zu einem verschneiten Hohlweg führen. Für den Subaru gilt: Alter kapituliert vor Tiefschnee nicht. (wp.)

2. Februar 2021
Erinnerungen an den Vergaser, die Liebe zur erschreckenden Kargheit alter Traumwagen und die technische Flüchtigkeit im Hattinger-Krimi
Jüngere Generationen von Autlern können mit diesem Motorteil gar nix anfangen. Dabei hatte der Vergaser alle Möglichkeiten um den Autofahrer in den Wahnsinn zu treiben. An ihm hing (und hängt noch immer in begehrenswerten Oldtimern) der Lauf des Motors. Denn der muss gefüttert werden und zwar nicht nur mit Benzin, sondern mit einem verbrennungstüchtigen Gemisch aus Benzin und Luft. Dieses Gemisch anzulegen, das war die Aufgabe des Vergasers. Heute haben das längst Einspritzanlagen übernommen, die erst mit dem Aufkommen der geregelten Katalysatoren ihren Modell-Flächendeckenden Siegeszug antreten konnten. Beim Diesel waren sie längst im Einsatz, als die Benziner noch mit sensiblen Vergasern, mitunter wegen höherer Motorleistung mit Doppel- oder Vierfach-Vergasern, also mit Vergaserfabriken unterwegs waren. Einst waren es (italienische) Künstler mit Pianofingerchen, die an Vergasern wahre Wunder vollbrachten. Inzwischen sind für die nun auch komplizierter gewordenen Einspritzsysteme elektronische Steuerungen üblich. Wenn die mal nicht wollen, dann hilft auch der Ratgeber für Automobilisten nicht weiter. Er datiert ja auch aus dem Jahr 1932.

Nicht so alt, aber durchaus begehrt sind zum Beispiel die fürstlichen Fahrzeuge aus den Jahren des deutschen Wirtschaftswunders. Dazu gehören auch die SE-Modelle von Mercedes-Benz und noch besonderer die Coupé-Ausführungen. Es sind wunderbare Wagen, meist in den Farben der Eisbecher am Gardasee, zum Beispiel in einem glühenden Blaumetallic der Körper und das Dach im Elfenbein der damaligen Einbauküchen, Weißwandreifen außen und beiges Leder innen, alles im zarten Alter von etwa 56 Jahren, aber picobello restauriert, der Preis bei Classic Trader knapp unter 50 000 Euro. Wie bei fast allen Wunderwagen aus diesen Zeiten ist der nähere Blick lehrreich: Der klassische Luxuswagen aus der Vergangenheit ist ein nackter König. Es mangelt nicht an Schönheit, aber alles, was unser heutiges Autovergnügen befeuert, das hat er nicht, also keine: Servolenkung, ABS, Airbags, Klimaanlage, Sitzheizung, elektrische Fensterhebel, Zentralverriegelung, kurz, alles fehlt, was mit Elektrik oder Elektronik zu tun hat. Die Erfahrung hält Trost bereit: Alles, was ein Auto nicht hat, das kann auch nicht kaputt gehen.

Kaputt ging einem der zentralen Unholde im flotten Krimi „Hattinger und die Schatten“ (Pendragon Verlag) auch der Versuch, mit dem Auto eines seiner Opfer abzuhauen. Das ging schief, weil der auf Seite 286 inhaltlich definierte, teure und bestens ausgestattete „VW-Bus T5 Multivan, DSG Highline 4Motion …“ auf Seite 303 in den Händen des alsbald selbst gerichteten Mörders bei zügiger Fahrt plötzlich stehen geblieben war. Zum Glück, so der Krimi-Text, hatte der Wagen genug Schwung gehabt, der Flüchtige rasch reagiert, „sofort die Kupplung getreten“ und den „Bulli“ in eine Seitenstraße rollen lassen. Der Motor war trotzdem nicht mehr zu bewegen, aber das musste auch so sein: Wenn der feine VW T5 tatsächlich in der vom Händler notierten Ausstattung unterwegs war, dann konnte der flüchtige Verbrecher gar keine Kupplung treten, um den Schwung zu nutzen. Denn der T5 mit „DSG“ fährt dann mit der „Automatik der Neuzeit“ (berechtigtes VW-Eigenlob) und das famose Doppelkupplungsgetriebe hat gar keine Kupplung, die der Fahrer treten könnte. Aber den flüchtigen Täter erwischt es ein paar Seiten weiter dennoch. (wp.)

20. Januar 2021
Zwischen Kälte, Küche und dem angeblichen Boom der E-Autos / VW opfert den E-Golf
An Tim Mälzer, dem angeblich besten Koch des Landes weist in der Küche überhaupt kein Rezept, und an den E-Autos führt nur auf der Autobahn ein sicherer Weg vorbei: Der wird als Überholspur bezeichnet und wird von den allermeisten batterielektrisch angetriebenen Fahrzeugen gemieden. Der gute Grund dafür: die optimistischen Papier-Reichweiten der teuren und tonnenschweren Vehikel taugen nicht für die zügige Reise. So ist etwa die Normreichweite des Polestar 2 ein leeres Versprechen: 470 km soll das Batterieauto der 60 000-Euro-Klasse aus der Volvo-Gruppe schaffen, im FAZ-Fahrbericht ist jetzt von 300 km die Rede, bei „kommoder Fahrweise.“ Das sind dann um die 110 km/h und die taugen nicht für die linke Spur der leeren A81. Selbst mit unserem alten 240 Kombi laufen wir bei gemächlichen 150 km/h auf die schönen Teslas auf, füllen die Rückspiegel der Strom-Bestseller aus dem Jahr 2020, das diesen dank überbordender Staats- und Hersteller-Förderung einen angeblichen Boom bescherte.

Immerhin rund 395 000 neue Elektro-Personenwagen fanden im vergangenen Jahr zu den geförderten Kunden. Aber Halt, gut 200 000 Exemplare davon gehören zur Spezies der Hybride, werden also zusätzlich, wenn Not im E-Auto mit fährt, vom Verbrenner befeuert. Es verbleiben also knapp 200 000 Autos, die ausschließlich von der Batterie am Laufen gehalten werden. Und wenn die nicht mehr in Saft und Kraft steht, dann wird es eben kalt in der Karre: So erlebt von einem E-Auto-Fahrer im Schnee. Etliche Stunden im Stau konnte sich der die Zeit mit dem fröstelnden Betrachten des fallenden Strompegels vertreiben. Als sein Vehikel dann frei gepflügt wurde, musste es abgeschleppt werden: Die Batterie war leer. Gut, das kann einem auch im Benziner passieren, aber die Leerlaufzeit mit der Energie aus dem Tank reicht im Vergleich fast zum Frühlingsbeginn. Wobei dieser durchaus Lust auf Strom machen kann: Denn der spaßig zu bewegende Renault Zoe ist der elektrische Hit des Jahres 2020, über 30 000 Exemplare lieferten die Franzosen an den deutschen Markt, das reichte dicke für den ersten Platz. Auf dem zweiten Rang ein Auto, das es neu nicht mehr geben soll: Weil der einfach zu bedienende Batterie-Golf (knapp 17 500) bei VW nicht mehr in die neue Identität passt, wurde er flugs gestrichen und trotz Kundenprotest dem flotten Duo aus ID.3/ID.4 geopfert.

Eine Entscheidung, die der Generation Golf den Weg zum VW ID.3 erleichtern soll, immerhin landete dieser erst seit ein paar Monaten ausgelieferte VW hinter dem Tesla Model 3 auf dem vierten Platz, mit etwa 14 500 neuen E-VW im kantigen Schwung der Zukunft. Hinter Hyundai Kona und dem Smart Fortwo liegt der VW Up auf Rang Sieben, vor BMW i3 (eigentlich schon ein Veteran der E-Auto-Szene) und dem Audi e-tron mit gut 8000 Einheiten. Auf Platz Zehn stromert der neue Opel Corsa. Und es wird zumindest beim Präsentieren der 2021er-E-Modelle weiter zügig vorangehen. So hat Mercedes schon einer handverlesenen Journalistenschar erste Prototypen seines heute elektronisch präsentierten EQA-Stromexemplars vorgestellt: die Basis des bei rund 40 000 Euro positionierten Kompakt-SUV mit Stern soll für massenhafte Strombegeisterung sorgen. Aber vielleicht ist Tim Mälzer doch der beste Koch in diesem Land. (wp.)

13. Januar 2021
Mit dem guten Gustl werden wir schlauer. Im Darknet der Defekte.
Wir haben einen Freund, der ist trotzdem Automechaniker. Eine Seele von Mensch: Sagt man das überhaupt noch? Eigentlich ein Samariter, ein Schutzengel im öligen Overall. Natürlich will er bezahlt werden, aber selbst Professor Sauerbruch soll seine Notas gestellt haben. Allerdings hat der Mechaniker-Mann mit den helfenden Händen und den pfiffigen Ideen jetzt aufgegeben. Er findet den entscheidenden Fehler nicht in unserem japanischen Kleinwagen, der unter verschiedensten Einsatzbedingungen – egal ob kalt, warm oder heiß, unter Last oder im Schiebebetrieb, bei langsamer oder zügiger Fahrt, nach fünf oder fünfhundert Kilometern Strecke, umstandslos seinen Betrieb einstellte. Ein kleiner Ruck und die Karre hungerte sich im Notprogramm zur Werkstatt. Unser Freund hatte halbe Tage und Nächte an den Fehlercomputern verbracht, alles ausgetauscht, was sich tauschen ließ, zum Ende hin war nur der komplette Motor übrig, als letzte Einheit, nach Einspritzung, Ventilen, Pumpen und Filtern und jeglichen Fahrprogrammen. Jetzt ist der verzweifelte Mann, schon in seinen mittleren Jahren, am Ende. Wir verschrotten jetzt das Auto und sagen ihm: Schau Gustl, es hätte schlimmer kommen können.

Wie beim Rupert zum Beispiel, dem Stadler, der sein etwas längeres Haar jetzt in einer Tolle trägt, und ernsthaft versucht zu erklären, dass er als Chef von Audi irgendwie von seinen Diesel-Technikern nicht ausreichend informiert wurde. Oder es nicht verstanden hatte. Oder wollte. Vielleicht ist Stadler aber auch ein Opfer von Normverbräuchen, von diesen VW-Konzern-Vorgängen und der dieseligen Motoren-Eigenheiten, dass sie im Alltag nicht nur das nicht verbrauchen, was geplant, sondern auch das nicht einhalten, was vorgeschrieben wurde. Das versteht nur ein Autofahrer, der mit ziemlich viel Vollgas unterwegs ist und dann erstaunt einen Spritverbrauch von zwölf statt sechs Litern ausrechnet. Merke: Kein Auto wird immer mit dem gemessenen Normverbrauch unterwegs sein. Wenn der Fahrer fährt und nicht der Prüfstand. Da kann man dem Rupert Stadler doch keinen Vorwurf machen. Wenn er als Audi-Chef (der „Nichttechniker“) mal mit unserem Mechaniker-Freund ein bisserl herumgeschraubt hätte, wäre alles einfacher. Aber hat er nicht.

Da ist es wie bei der neuen S-Klasse. Die ist nach ihrer schönen Premiere im September 2020 kaum bei den hoffentlich nachsichtigen Kunden, da gibt es schon einen (wohl peinlichen) Rückruf: 1400 ausgelieferte und unter dem besten Stern fahrende Exemplare sollen zur Prüfung in die Werkstatt, weil irgendwelche Schrauben im Lenkungs- und Fahrwerkgefüge nicht so halten, wie versprochen. Das ist zwar eintrüblich für den Glanz des Sterns, aber für unseren Schrauber-Guru ein Grund zur Freude: Es geht halt nicht alles mit Künstlicher Intelligenz und mit digitalen Abläufen, sagt er in Richtung Apple (und Hyundai), ein Auto ist ein komplexer Organismus in Bewegung. Fast wie ein Mensch, sagt er mit nassen Augen und blättert in seinem „Ratgeber für Automobilisten“ aus dem Jahr 1932, es geht um die Frage: Welche Fahrstufe soll man bei einer Talabwärtsfahrt einschalten? Es antwortet Index 331: “Man schaltet jene oder die nächst niedere Fahrstufe ein, die man für die Bergauffahrt hätte einschalten müssen.“ Mit dem Gustl wird ein jeder schlauer. (wp.)

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